Vor gut einem Monat feierte der Spam seinen 30. Geburtstag. Seit dem ersten Auftreten hat die elektronische Plage den Inhalt der Mailboxen grundlegend verändert und sich inzwischen auch auf Mobilfunkgeräte ausgebreitet.
Der Werbemüll, wie der Spam auf Deutsch heisst, tauchte das erste Mal 1978 in den USA auf. Ein Marketing-verantwortlicher der Informatikfirma DEC schrieb damals 400 potenzielle Kunden an, um Werbung für einen Minicomputer zu machen. Die Reaktion der Angeschriebenen war damals die gleiche wie heute: Es hagelte negative Reaktionen. Das Internet, wie wir es heute kennen, existierte damals noch nicht. Kommuniziert wurde über einen Vorläufer des Internets mit dem Namen Arpanet, das von der US-Regierung unterhalten wurde.
Spiced ham
Der Begriff «Spam» geht auf einen Sketch der Komikertruppe Monty Python zurück. Ein penetranter Kellner versucht mit allen Mitteln, der Kundin das Büchsenfleisch «spiced ham» anzudrehen. Egal, was die Frau bestellt, ein Chor von Wikingern trällert den Refrain «spam, spam, spam», bis die Kundin auf ihre Entscheidung zurückkommt. Auch heute beschreibt der Begriff etwas Lästiges: die unerwünschte Zusendung von Massen-E-Mails. Das Problem hat sich innerhalb der letzten 30 Jahre verstärkt. Nicht weniger als vier von fünf empfangenen Mails sind inzwischen Spam. Google schätzt, dass sich innerhalb der letzten vier Jahre die Anzahl unerwünschter Mails vervierfacht hat – von 20 auf 80 Prozent. Immerhin überwindet laut Google nur 1 Prozent des Spams den Filter von Google.
Nicht nur das Niveau, sondern auch die Methoden der «Spammer» haben sich in den letzten dreissig Jahren stark verändert. Während der Marketingverantwortliche noch alle 400 Adressen von Hand in seinen eigenen Computer eintippen musste, wird heute Spam von fremden Rechnern verschickt.
Zombie-Computer
Um sich zu tarnen, dringen die Spammer mit ihren bösartigen Programmen in fremde Computer ein und missbrauchen diese, um ihre Reichweite zu erhöhen. Die so infiltrierten Rechner werden Zombie-Computer genannt. Etwa 30 Prozent der ungesicherten Computer sind von Spammern unterwandert. Diese verschicken Millionen von unerwünschten E-Mails pro Tag.
Die Spammer beschaffen sich die genauen E-Mail Adressen auf unterschiedliche Art und Weise. Eine Möglichkeit besteht darin, die Adressen zu kaufen – von Firmen, die sich eine eigene Datenbank erarbeitet haben oder selbst im Adresshandel tätig sind. Eine andere Variante besteht darin, das Internet mit einem speziellen Programm namens Harvester nach E-Mail-Adressen zu durchsuchen. Speziell im Fokus stehen dabei Diskussionsforen und Chats.
Über die letzten dreissig Jahre haben sich auch die Inhalte der Spam-Nachrichten verändert. Begann die Entwicklung mit einer Ankündigung eines neuen Produkts, werden heute in der Mehrzahl falsche Rolex-Uhren, Potenzmittel und Schlankheits-Wundermittel über E-Mails angepriesen.
Bis zur Erpressung
Spams können auch dazu benutzt werden, um Webseiten lahmzulegen – wie in Estland im letzten Jahr passiert. Die Internetseite mehrerer estnischer Internetbanken waren für Tage nicht abrufbar. Umsatzeinbussen in Millionenhöhe waren die Folge.
Die Möglichkeit, Webseiten lahmzulegen, legt ein weiteres Geschäftsfeld von Spammern offen: die Erpressung. Spammer drohen Firmen oder staatlichen Stellen, ihre Server mit Werbemüll zu bombardieren, falls sie kein Geld erhalten. 30 Jahre Spam: wahrlich kein Geburtstag, den es zu feiern gilt.
Autor: Valéry Jeanbourquin, MID
Quelle: www.tagblatt.ch




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