Als Milo Stössel zur Welt kam, war die Firma seines Vaters ein Jahr alt. Nun übernimmt der 29jährige die Leitung der MS Mail Service AG. Peter Stössel bleibt in der Firma, erhofft sich aber etwas mehr Freizeit.
Milo Stössel sitzt mit seinem Vater am Tisch im klimatisierten Chefbüro an der Fürstenlandstrasse. Metzger- und Bäckersöhne hatten es einfacher», sagt er, wenn er an seine Schulzeit zurückdenkt. «Ich musste meinen Mitschülern erklären, dass mein Vater Direktmarketing macht», sagt der 29jährige und lacht. Da sei er jeweils ins Schwitzen gekommen. Dann, während der HSG, sei er immer emotionaler ans Geschäft seines Vaters gebunden gewesen. Er verbrachte mehr Zeit in der Firma als an Vorlesungen. Und nun ist Milo Stössel Geschäftsführer der Firma, der MS Mail Service AG.
Stabübergabe
Sein Vater Peter Stössel hatte die Firma vor 30 Jahren gegründet. Das Wort «Generationenwechsel» höre er nicht gerne, sagt Peter Stössel, der mit seinen 64 Jahren noch voller Tatendrang ist. Das Wort gebe ihm das Gefühl, ausgedient zu haben. Und dies sei überhaupt nicht der Fall, sagt er. Die Freiheit als Unternehmer erlaube es ihm, «so Gott will», noch lange in der Firma weiterzuarbeiten – und nicht nur bis zur Pension. Er nenne darum den Wechsel lieber «Stabübergabe». Neu sei schliesslich nur, dass der Sohn nun die wichtigen Entscheide fälle. – Dass Milo Stössel neuerdings das letzte Wort hat, sei für ihn kein Problem, sagt der Vater. Er helfe mit seiner Erfahrung mit und gebe gerne Ratschläge. «Und Milo nimmt diese gerne an.» Dieser nickt bestätigend. Die Zusammenarbeit funktioniere problemlos.
«Wie Trainer und Präsident»
Es komme hin und wieder vor, dass Mitarbeiter mit wichtigen Fragen zu ihm kämen, sagt Vater Stössel. Dann verweise er in der Regel augenzwinkernd auf seinen Sohn: «Habt ihr den CEO schon gefragt?»
Milo Stössel sieht sich in seiner neuen Aufgabe als «Trainer eines Clubs», während sein Vater der Präsident sei. Er habe zwar die Leitung inne, werde aber vom Vater unterstützt.
Auf die Frage nach den Zielen in Bezug auf die Firma hat der neue junge CEO einige Antworten parat: Er wolle das «Medium Internet im Auge behalten, in Zukunft noch aktiver auf Kunden zugehen, neue Angebote noch besser kommunizieren und die Dynamik des Marktes frühzeitig erkennen».
Peter Stössel hatte während seiner Zeit als Chef des Unternehmens viele andere Aufgaben und Ämter inne, die er weiterführen will. Er ist unter anderem OK-Präsident des CSIO und des St. Galler Fests sowie Kanzler der fasnächtlichen Ehren-Föbü. Mit der Abgabe der Firmenführung hofft er, in Zukunft mehr Zeit für andere Aufgaben und Hobbies zu finden. Vor allem aber rechne er damit, öfter bei seinen Rössern in Spanien sein zu können. Dort besitzt er eine Araber-Zucht.
Quelle: Ralf Streule / http://www.tagblatt.ch/lokales/stgallen/tb-st/art186,294488
